Als nach dem Krieg Preußens/Deutschlands 1870/71 gegen Frankreich das Deutsche Kaiserreich in Versailles wiedergegründet war, ging eine nationale Welle durch alle deutschen Länder. Dies führte dazu, dass zu den bisherigen Schützengesellschaften und –gilden der Städte, die teilweise auf jahrhundertelange Traditionen zurückblicken können (als Beispiel sei unser Patenverein, die „Schützengilde Fürstenwalde/Spree von 1427 e.V.“ erwähnt) sich auch in relativ kleinen Orten Männer zusammenfanden, um einen Schützenverein zu gründen. Insbesondere ehemalige Soldaten wollten Ihr Bedürfnis, ihr Können weiter zu üben, befriedigen. So entstanden in den 70er Jahren des vorherigen Jahrhunderts viele Schützenvereine bzw. Kriegervereine oder –kameradschaften, wie sie sich oftmals nannten. Beispiele hierfür sind in unmittelbarer Nähe die Vereine Lilienthal (1863), Heidberg-Falkenberg (1871), Worpswede (1875) und Wörpedorf (1876) sowie etwas später Tarmstedt (1899).
Waren es in größeren Orten in früheren Zeiten in erster Linie die Bürgerwehren, die zu regelrechten allmonatlichen Schießübungen anzutreten hatten und nur alljährlich einmal zu einem gemeinsamen Preisschießen zusammenfanden, so waren diese Neugründungen vorerst nur auf das allgemeine Wettschießen ausgerichtet. Natürlich wurde auch auf Geselligkeit großen Wert gelegt. Regelrechte Schützenfeste mit Jahrmarktsbetrieb und gelegentlichen Winterbällen wurden veranstaltet.
Im Jahre 1876 waren alle Hofstellen voll besetzt. Auch gab es schon eine eigene Schule, die mit einem ordentlichen Lehrer besetzt war. Ortsvorsteher war Dierk Ohlrogge von der Hausstelle 3 (heute Nr. 21), der dieses Amt quasi von seinem Vater „geerbt“ hatte. Insgesamt lebten in Huxfeld 214 Einwohner mit 74 Kindern, einschließlich Mittelsmoor. Die Bevölkerung fristete ihr Dasein von sehr viel Torfgraben und etwas Viehzucht. Eine Straße war bis zu dieser Zeit überhaupt nicht vorhanden. Damit fing man erst 1880 an. Wegen des wenigen Kapitals, dass diese Gemeinde aufbringen konnte, wurden in jedem Jahr 100 Meter oder weniger gebaut, so dass man im Jahre 1906 erst bei der Schule angelangt war. In 26 Jahren wurden also nur 1.400 Meter gebaut.
Eine Viehzählung 1876 ergab 15 Pferde, 136 Stück Rindvieh sowie einige Schafe, Ziegen, Hühner und Bienenvölker. Nach dem damals gültigen Wahlgesetz waren von den erwähnten 214 Einwohnern nur 54 wahlberechtigt. Die wirtschaftliche Lage war schlecht, aber der Idealismus einer Handvoll Männer war groß und so wurde der Verein gegründet. Das erste Vereinslokal war auf dem Hof Nr. 4 (heute Nr. 23) bei dem Gast- und Landwirt Peter Hastedt und dessen Sohn Friedrich Hastedt. Die Hastedts, die nebenbei auch noch eine Schmiede unterhielten, verpflichtete sich, für den Verein einen Schießberg und eine Schießhalle zu errichten. Das erste Schützenfest fand dann auch gleich mit einer Nachfeier statt (Wir feiern mathematisch genau im Jahre 2001 also schon das 126. Schützenfest - aber die 125-Jahr-Feier des Vereins). Ebenfalls wurde gleich im ersten Jahr ein Winterball veranstaltet. Der neue Verein wurde in wenigen Jahren bekannt, beliebt und geachtet. 1879 nahmen fast 100 Schützen am Schützenfest teil. Von den Nachbarvereinen waren die Schützen aus Heidberg-Falkenberg, Lilienthal, Wilstedt, Wörpedorf und Worpswede gekommen.
Während die ersten Schützenfeste in den Monaten August/September abgehalten wurden, wurden sie in den 90er Jahren auf den zweiten und dritten Sonntag im Juli verlegt. Noch heute ist der dritte Sonntag der Haupttag des Huxfelder Schützenvereins. 1890 hat das Schützenfest sogar im Oktober stattgefunden. Die Vorverlegung mag ihre Gründe in dem schlechten Herbstwetter der 80er Jahre gehabt haben, von dem laufend berichtet wird.
Wenig Glück hatte man mit dem Schießbetrieb auf der Hausstelle 4. Friedrich Hastedt machte Konkurs und 1889 wurde die Stelle verkauft. So wurde das Vereinslokal und der Schießstand auf die Hausstelle Nr. 5, das Anwesen der Familie Buerhop, verlegt. Zu dieser Zeit war Heinrich Buerhop Gast- und Landwirt. Dessen Vater Wilhelm Buerhop war Gründungsmitglied des Vereins und 1879 der Schützenkönig. Dieser Umzug erlaubte einen größeren Schießstand. Es mußten mehr Scheibenstände vorhanden sein. Während in den ersten Jahren fast nur mit dem guten alten Vorderlader auf Vogel und Gewinnscheibe geschossen wurde, hatte jetzt die Scheibenbüchse ihren Siegeszug angetreten. Das Konkurrenzschießen wurde immer beliebter. Die Schußentfernung wurde auf 80 Meter festgelegt.
Beruhigt konnte man in 20. Jahrhundert gehen, auch wenn die Hauptsorge, die Anschaffung einer Fahne, immer noch geblieben war. Erst durch die langsamen wirtschaftlichen Verbesserungen konnte auf der Jahreshauptversammlung 1914 der Kauf einer Fahne beschlossen werden. Diese wurde dann im Mai unter großer Beteiligung der Bevölkerung und der örtlichen und Nachbarvereine durch den Lehrer Heinrich Stölken geweiht. Lehrer Stölken war erst 1911 nach Huxfeld gekommen, doch war dies schon die dritte Fahne, die er weihte: Gesang- und Kegelverein waren zwar später gegründet, doch konnten sie eher Fahnen ihr eigen nennen.1912 hatte Familie Buerhop eine neue Gaststätte mit einem Saal gebaut. Das Schützenfest 1914 wurde noch gefeiert. Doch zogen dunkle Wolken am Horizont auf, die durch das Attentat auf dem österreichischen Thronfolger Erzherzog Franz-Ferdinand drei Wochen vor dem Schützenfest ausgelöst worden waren. Am 1. August 1914 begann der erste Weltkrieg und Deutschland befand sich wieder mit Frankreich im Krieg. Somit wurde in den folgenden vier Jahren keine Schützenfeste mehr gefeiert.
[Text entnommen der Festschrift 125. Jahre Schützenverein Huxfeld aus dem Jahr 2001]


